Cueing: der Schlüssel zur bewussten Bewegung
„Cueing“ bezeichnet den gezielten Einsatz von Reizen (Cues), um Bewegungen anzustoßen oder zu stabilisieren. Diese Reize helfen, die gestörte interne Bewegungssteuerung durch externe Signale zu ersetzen und damit das Gehen wieder flüssiger und sicherer zu machen.
Formen von Cues
-
Akustisch: Metronom, Piepton oder rhythmisches Klatschen
-
Visuell: Linien am Boden, Laserprojektionen oder Pflastersteine
-
Propriozeptiv: Vibrationen oder bewusste Gewichtsverlagerungen
-
Kognitiv: Selbstinstruktionen („eins, zwei und gehen…“)
Mehrere Studien belegen, dass durch Cueing die Gehgeschwindigkeit, Schrittlänge und das Loslaufen deutlich verbessert werden können (Lewis et al., 2000; Nieuwboer et al., 2007). Besonders effektiv ist die Kombination mit gezielten Instruktionen des Therapeuten während des Trainings.
Tipp: Cueing kann auch im häuslichen Umfeld trainiert werden. Wenn Sie sich für ein gezieltes Parkinson-Training zu Hause interessieren, fragen Sie nach unseren Hausbesuchen.
Stadienspezifische Therapieziele bei Parkinson
Je nach Krankheitsstadium variieren die Schwerpunkte der physiotherapeutischen Behandlung. Die Orientierung erfolgt häufig anhand der Hoehn-und-Yahr-Skala (H&Y).
Frühe Stadien (H&Y bis 2,5)
Der Fokus liegt auf Kraft-, Ausdauer- und Gleichgewichtstraining, um eine funktionelle Reserve aufzubauen. Bewegung hat hier nachweislich eine neuroprotektive Wirkung und kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen (Keus et al., 2014; Leitfaden für Physiotherapie bei Morbus Parkinson, S. 6–7).
Späte Stadien
In fortgeschrittenen Phasen stehen Bewegungsstrategien, Cueing-Techniken und die Förderung der Selbstständigkeit im Vordergrund. Das Ziel: Mobilität und Lebensqualität möglichst lange erhalten.
Gleichgewicht und Krafttraining - starke Evidenz
Ein gezieltes Übungsprogramm mit Gleichgewichts- und Kraftübungen kann nachweislich die Stabilität und Mobilität von Parkinson-Patientinnen und -Patienten verbessern.
Beispielprogramme aus Studien
-
Drei Trainingseinheiten pro Woche mit Gehvariationen, Mobilisationsübungen und Muskelkräftigung (Hirsch et al., 2003; Toole et al., 2000)
-
Tai Chi zweimal wöchentlich über 15 Wochen – fördert Gleichgewicht und Körperkontrolle (Li et al., 2012)
-
Widerstandstraining (60 % Maximalkraft, 12 Wiederholungen) über acht Wochen – verbessert Schrittlänge und Gehgeschwindigkeit (Scandalis et al., 2001)
Empfehlung:
Ein individuell dosiertes Programm mit Fokus auf Gleichgewicht und Muskelkraft ist in allen Stadien sinnvoll – regelmäßig überprüft und angepasst durch erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten. Interessiert an einem individuellen Trainingsplan? Lassen Sie sich beraten oder vereinbaren Sie gleich einen Termin zur Befundaufnahme.
Angehörige in die Behandlung einbeziehen
Pflegende Angehörige spielen eine entscheidende Rolle: Sie können helfen, Cues oder Strategien im Alltag umzusetzen, Transfers zu unterstützen und Sicherheit zu gewährleisten. Eine gezielte Instruktion durch die Physiotherapeutin oder den Physiotherapeuten ist essenziell, damit Angehörige wissen, wie sie sinnvoll unterstützen können – ohne selbst überfordert zu werden.
Tipp: Wir bieten auch Angehörigenschulungen und praktische Übungen für zu Hause an. Erkundigen Sie sich nach den nächsten Terminen oder Hausbesuchen.
Fazit
Ob Cueing, Krafttraining oder Gleichgewichtsübungen: gezielte Bewegungstherapie wirkt. Sie verbessert das Gangbild, reduziert Sturzrisiken und stärkt die Selbstständigkeit. Die Kunst liegt darin, die Strategien individuell anzupassen – und Patientinnen, Patienten sowie Angehörige aktiv einzubeziehen.
Hausbesuche für Ergotherapie und Physiotherapie
Über den Button "Verfügbarkeit prüfen" können Sie feststellen, ob in Ihrem Postleitzahlengebiet ein Therapeut verfügbar ist. Ob Ergotherapie oder Physiotherapie: Pro Behandlungseinheit sind jeweils volle 60 Minuten eingeplant, also viel Zeit zum Therapieren und Gesundwerden.
Quellen
Keus S, Munneke M, Graziano M, et al. European Physiotherapy Guideline for Parkinson’s Disease. 2014.
Hirsch MA, Toole T, Maitland CG, Rider RA. The effects of balance training and high-intensity resistance training on persons with idiopathic Parkinson's disease. Arch Phys Med Rehabil. 2003.
Lewis GN, Byblow WD, Walt SE. Striatal dopamine deficiency impairs sequence learning, but not sensorimotor synchronization in Parkinson’s disease. Brain. 2000.
Nieuwboer A, et al. Cueing training in the home improves gait-related mobility in Parkinson’s disease: the RESCUE trial. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2007.
Scandalis TA, Bosak A, Berliner JC, et al. Resistance training and gait function in patients with Parkinson’s disease. Am J Phys Med Rehabil. 2001.
Li F, Harmer P, Fitzgerald K, et al. Tai Chi and postural stability in patients with Parkinson’s disease. N Engl J Med. 2012.
Leitfaden für Physiotherapie bei Morbus Parkinson. 2015.
Physiopraxis Juli 2015 – Ein Navi für die Therapie – Quick Reference Cards bei Morbus Parkinson.